Die Zinsstruktur kennzeichnet die verschiedenen am Markt vorkommenden Zinsen und ihr Verhältnis zueinander. Sie hat große Bedeutung für die Prognosen zukünftiger Marktentwicklungen.
Die Bedingungen für die Zinsstruktur
Das Verhältnis verschiedener Zinssätze zueinander ist die Zinsstruktur. Die Zinssätze hängen von Faktoren wie dem Risiko einer Anlage, der Laufzeit oder unterschiedlichen Kündigungsfristen ab, wie bei den unterschiedlichen Zinssätzen für Tages- und Festgeld. Interessant ist unter anderem die zeitliche Zinsstruktur, weil sie Aufschluss über die Erwartungen der Marktteilnehmer über zukünftige Entwicklungen gibt. Die Zinsen für festverzinsliche Papiere werden in Abhängigkeit von der Laufzeit der Anlage festgelegt. Man betrachtet hier das kurze Ende der Zinsen bei einer Laufzeit bis zu einem Jahr und das lange Ende bei Laufzeiten ab zehn Jahren. Verschiedene Hypothesen beschreiben den Mechanismus, warum Zinsen in Abhängigkeit von der Laufzeit höher oder niedriger festgelegt werden und warum Markteilnehmer Anlagen und auch Kredite mit kürzeren oder längeren Laufzeiten und entsprechend niedrigeren oder höheren Zinsen wählen. Nach der Erwartungshypothese investieren die Anleger bevorzugt kurzfristig, wenn steigende Zinsen erwartet werden, da man zu einem späteren Zeitpunkt und höheren Zinsen neu investieren möchte. Damit steigt die Zinskurve. Im umgekehrten Fall sinkt sie und wird damit invers, was oft vor Rezessionen der Fall ist. Eine andere Erklärung, die Liquiditätspräferenzhypothese, geht davon aus, dass Investoren deshalb lieber kurzfristig anlegen, weil sie weder die Zukunft noch ihre eigenen langfristigen Pläne genau kennen. Beide Erklärungen zusammen begründen recht gut, warum für längerfristige Anlagen höhere Zinsen gezahlt werden. Eine dritte Erklärung bezieht die Marktsegmente mit ein, in welchen Anleger tätig sind und die sie selten verlassen.
Die Ableitung von Hypothesen aus der Zinsstruktur
Das Verhältnis der Zinssätze zueinander, welches sich in normal verlaufenden (also auf der Zeitachse steigenden), inversen oder auch “buckligen” Zinskurven zeigt, wird genutzt, um aus dem Verhalten von Marktteilnehmern mögliche Entwicklungen vorauszusagen. Wenn kurzfristige Anlagen stark nachgefragt werden, könnten die Zinsen demnächst steigen, und umgekehrt. Diese Hypothesen sind jedoch umstritten. Einfachere Zinsstrukturmodelle lassen diese deshalb auch beiseite und beschäftigen sich einzig mit dem Verhältnis der Zinssätze zueinander und dem Vorteil, den Anleger daraus ziehen können. Interessant ist hierbei zum Beispiel auch das Verhältnis von Kredit- und Anlagezinsen.






